Großvater weint


Rief gestern meinen Opa an,
der ist nun ganz alleine,
er sagte mir, der weise Mann:
„Hör´ nicht, dass ich weine.“

Seit Tagen nämlich sitzt er nun
allein in seinem Haus,
wartet nur und kann nichts tun,
im Rollstuhl,
darf nicht raus.

Seine Frau, die Erika,
ist krank in einem Heim,
schon seit Jahren lebt sie da,
könnt´ zufrieden sein.

Doch die Pfleger wissen nicht
mit ihr umgehn´.
Mit dementieller Zuversicht
will sie die Kinder sehn´.

Versteht nicht, warum das nicht geht,
und schlägt gegen die Tür.
Hinter der die Tochter steht,
sie kämpfte hart dafür.

Draußen vor dem kalten Glas,
mit Mundschutz und viel Angst,
fragt sie den Staat:

„Was soll denn das,
was du da verlangst?“


Der Pfleger nimmt die Mutter mit,
die Scheiben sind beschlagen,
die Tochter, außen, folgt dem Schritt,
kommt wieder in zwei Tagen.

Großvater weint und sitzt am Fenster, 
allein in seiner Not,
sieht seit gestern nun Gespenster,
seine Frau ist tot.

Foto: Marcus-Andreas Mohr